“Digitales Publizieren muss für Kinder völlig anders gedacht werden als für Erwachsene” Interview mit Annika Hartmann

Anlässlich unseres Kindermedienkongresses „Was geht App für Kids? – Die Zukunft der Kindermedien“ am 23.11.2011 haben wir mit Annika Hartmann, bei Lübbe Projektreferentin E-Publishing, ein Interview geführt.

Annika Hartmann

Annika Hartmann


1)
Kinderbücher haben ihren Weg auf iPad, iPhone & Co gefunden – was sind augenblicklich die größten Herausforderungen für Verlage?

Digitales Publizieren muss für Kinder völlig anders gedacht werden als für Erwachsene: Nur Text funktioniert hier nicht. Kinder wollen Bilder, Animationen und Ton. Aus dieser Überlegung ergeben sich aber Einschränkungen, was die Lesegeräte angeht: Bunte, spannende und ansprechende digitale Kinderbücher können noch nicht auf allen Geräten gelesen werden. E-Books für Kinder attraktiv umzusetzen ist auf der einen Seite kostenintensiv, auf der anderen Seite sind die Vertriebswege eingeschränkt. Um auf diese Herausforderung angemessen reagieren zu können, müssen Verlage die technischen Entwicklungen der Geräte genau beobachten, Projekte überlegt planen und zielgerichtet investieren.


2) Wann sollte man die hohen Kosten einer App-Entwicklung in Kauf nehmen? Anhand welcher Kriterien treffen Sie diese Entscheidungen?

Die Entwicklung einer App zahlt sich derzeit nur bei Reihentiteln oder starken Marken aus. Wenn man nicht möchte, dass ein Produkt im App-Store untergeht, muss es irgendwie gefunden werden. Und das funktioniert am besten, wenn es sich um eine starke Marke handelt, die auch gesucht wird oder eine Reihe, die durch eine selbstreferentielle Marketingstrategie und die Präsenz von mehreren Titeln sichtbar wird.


3)
Was ist – Stand 1.11.2011 – Ihre erfolgreichste App für Kinder? Und das erfolgreichste E-Book?

Unsere erfolgreichste App ist die Wimmelbuch-App, die auf dem Buch „Da stimmt doch was nicht“ von Ralf Butschkow basiert. Unser erfolgreichstes E-Book ist „Die kleine Spinne Widerlich“, geschrieben und für das E-Book eingelesen von der Schauspielerin Diana Amft. Es ist im Fixed Layout-Format veröffentlicht und man kann es lesen oder sich vorlesen lassen.


4) Am 26.10.2011 meldete heise.de, dass die Android-Downloads (44 % am App-Markt) im zweiten Quartal 2011 erstmals die der iOS-Apps (31 %) überholt haben. Machen Sie auch Android-Apps bzw. planen Sie dies? Sollte man als Verlag immer beides machen?

Im Kinderbuchbereich haben wir bisher noch keine Android-App veröffentlicht. Der Android-Markt ist für qualitativ hochwertige Kinderbücher schwierig, da er sehr preissensibel, die Entwicklung aber wegen der starken Segmentierung der Endgeräte unverhältnismäßig kompliziert ist. Außerdem fehlt ein geschützter Raum, in dem die Kinderbücher angeboten werden. Das inhaltliche Umfeld, in dem die Kinderbücher angeboten werden, ist nicht unbedingt kindgerecht. Aber natürlich verfolgen wir die Entwicklung des Android-Markts und planen für die Zukunft auch mit Android-Apps.


5)
Hat sich durch Apps & Co. die Konkurrenzsituation verschärft? Wenn ja – wer sind die “gefährlichsten” Konkurrenten?

Es gab ja ohnehin schon immer eine starke Konkurrenz der digitalen Medien zum Lesen. Und nun existieren Spiele, Filme, Musik und Bücher nebeneinander und auch miteinander verschmolzen auf einem Endgerät. Das könnte sogar eine Chance für das Lesen sein. Für Verlage sind Agenturen und Firmen, die sich auf Apps spezialisiert haben, natürlich eine Herausforderung. Für den Großteil der Kunden macht es keinen Unterschied, ob die geladene App von einem etablierten Traditionsverlag oder von einer jungen Agentur kommt. Ich finde diese Entwicklung aber sehr spannend, sie erinnert Verlage daran, nicht im traditionellen Denken stecken zu bleiben und offen für neue Anregungen zu sein.

Die Fragen stellte Judith Horsch, November 2011




 



 

Ein Gedanke zu ““Digitales Publizieren muss für Kinder völlig anders gedacht werden als für Erwachsene” Interview mit Annika Hartmann

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>