4 Fragen an… Teil I: Christian Röpke, GF ZEIT Online, “Wir erleben derzeit im Online-Geschäft ein sehr dynamisches Erlöswachstum”

 

1) Native vs. Web App, Cloud Technologien, Social Computing etc. – Welche Themen und Hauptfragestellungen beschäftigen Sie aktuell am meisten und was wird 2012 die größte Herausforderung für Sie als Mobile Publisher sein?

 

Im Bereich unseres mobilen Internetangebotes haben wir zwei große Herausforderungen: (A) Die Weiterentwicklung des redaktionellen Angebotes auf mobilen Geräten, um den zunehmenden Trend der mobilen Nutzung auch inhaltlich noch gerechter zu werden als bisher, sowie unsere diversen Verlagsangebote (z. B. der Stellenmarkt auf ZEIT ONLINE, die ZEIT ONLINE Studiengangsuchmaschine) entsprechend mobil zu optimieren und (B) die Entwicklung von neuen und zukunftsfähigen Werbemitteln für unser mobiles Angebot, um auch der Werbewirtschaft entsprechende Möglichkeiten zur Markeninszenierung zu bieten.

Bei der digitalen ZEIT-Ausgabe besteht die Herausforderung vor allem darin, dass wir den ersten Erfolg beim Vertrieb der iPad ZEIT-App weiter ausbauen können und dem Leser-Markt neben der iPad ZEIT-App optimale Produkte für weitere Tablets bieten.

Bei dem Ausbau in Richtung anderer Geräte und Betriebssysteme liegt unser Augenmerk in der Skalierbarkeit unserer Prozesse und der Produkte. Daher wird für uns als Mobile Publisher die Entwicklung plattformübergreifender Angebote die größte Herausforderung in den kommenden Monaten darstellen. Dennoch werden wir – in Hinblick auf den Marktführer iPad  – auch weiterhin gerätespezifische Applikationen anbieten. Unser Ansatz lautet demnach nicht “Native versus Web App”, sondern vielmehr “Native UND Web App”!

 

2) Haben Sie mit Ihren mobilen Angeboten neue Zielgruppen über Ihre Printkunden hinaus erschlossen?

Natürlich erschließen wir mit unseren mobilen Angeboten neue Zielgruppen: mit digitalen Ausgaben werden z. B. auch jüngere Lesergruppen mit anderen Mediennutzungsgewohnheiten angesprochen und bedient. Es geht uns jedoch nicht alleine um die Erschließung neuer, sondern auch um die Erweiterung bestehender Lesergruppen: insbesondere durch die iPad-App erfahren wir eine hohe Zahl an “Kombi-Nutzern”, die den medienspezifischen Mehrwert von Print- und Digital-Angeboten schätzten und daher beide Angebote parallel nutzen und denen die Paralellnutzung auch ein entsprechender Aufpreis wert ist.

 

3) Sie blicken inzwischen auf einige Erfahrungen im Mobile Business zurück. Was sind die wichtigsten Learnings aus den vergangenen Jahren und wie hat die Umsetzung ihrer Mobile Strategie die internen Strukturen beeinflusst?

Wir entwickeln gerade eine HTML5-basierte ZEIT-App (Thema Skalierbarkeit, siehe auch Frage 1). Hier können wir die in den vergangenen zwei Jahren intensiv gewonnenen Erfahrungen mit HTML5 einbringen. www.zeit.de basiert technisch bereits seit September 2009 auf HTML5 und das war auch die Grundlage für den Start unserer auf Responsive Design aufbauenden Tablet-optimierten Website. Auch bei der nativen iPad ZEIT-App spielt HTML5 als technische Plattform schon eine wichtige Rolle. Diese Erfahrungen sind für uns grundlegend und werden sicherlich die technische Basis für alle künftigen Produkte unseres Mobile-Portfolios darstellen. Wir haben gelernt, wie wichtig es ist, skalierbare Geschäftsmodelle anzubieten, da längst nicht alle Angebote von der Größe des Marktsegments nativ zu bedienen sind.

Auch haben wir in den letzten Monaten die wichtige Erfahrung gemacht, dass es im Mobile Publishing eine recht geringe Preissensitivität gibt. Die User legen Wert auf hohe Qualität und Usability und sind durchaus bereit hierfür einen angemessenen Preis zu zahlen. Also einen Preis der sich im Fall der iPad ZEIT-App an dem Preis der gedruckten Ausgabe orientiert.

 

4) Was glauben Sie – welchen Umsatzanteil werden elektronische Produkte bei Ihnen im Haus in 5 Jahren haben? Und wie sieht es heute aus?

Wir erleben derzeit im Online-Geschäft ein sehr dynamisches Erlöswachstum – sowohl was die klassischen Werbeformen auf der Website, aber auch was die Erlöse aus den Rubrikenmärkten auf ZEIT ONLINE angeht. Dazu kommen nun erstmalig signifikante digitale Vertriebserlöse – eine neue Erlösquelle. Der Umsatzanteil der digitalen Produkte wird somit weiter zunehmen, wobei sich auch die klassischen Erlöse der ZEIT weiterhin positiv entwickeln.


Die Fragen stellte Jacqueline Hoffmann

 

Christian Röpke ist Referent auf der 4. Mobile Publishing-Konferenz iBooks, Web Apps, Tabzines – Tablet Publishing-Strategien für Verlage am 22. Mai 2012 in München